Die zwei Wege werden als «Weg des Lichts» und «Weg der Finsternis» beschrieben. Es handelt sich dabei um Leitlinien zur Unterweisung von neuen Christen. Dabei geht der Autor sehr ins Detail. Das unterstreicht, dass für die frühen Christen Glaube und Leben eng verknüpft waren. Christ zu werden, bedeutete nicht nur, ein Glaubensbekenntnis zu sprechen oder eine neue Weltsicht zu übernehmen. Der Glaube musste sich im praktischen Leben beweisen. Hier einige Auszüge. Zunächst der «Weg des Lichts», also die Regeln, nach denen Christen leben sollen: Der Weg des Lichts nun ist dieser: Wenn einer seinen Weg gehen will bis zum vorgesteckten Ziel, so soll er sich beeilen durch seine Werke. Die Erkenntnis nun, die uns gegeben wurde darüber, wie wir auf diesem Wege wandeln müssen, ist also: Liebe den, der dich erschaffen, fürchte den, der dich gebildet, verherrliche den, der vom Tode dich erlöst hat! Sei geraden Herzens und reich im Geist! Verkehre nicht mit denen, die wandeln auf dem Wege des Todes! Hasse alles, was Gott nicht gefällt, hasse jegliche Heuchelei! Versäume nichts von Gottes Geboten! Erhebe dich nicht selbst, denke demütig in jeglicher Hinsicht, schreibe dir selbst keine Ehre zu! Fasse keinen bösen Anschlag wider deinen Nächsten! Gestatte deiner Seele keine Anmaßung! Treibe nicht Unzucht, Ehebruch, Knabenschändung! Das Wort Gottes rede nicht bei der Unreinheit anderer! Schau nicht auf die Person, wenn du jemand zurechtweisest über einen Fehltritt! Sei milde, ruhig, zittere vor den Worten, die du gehört hast! Deinem Bruder trage Böses nicht nach!74 […] Liebe deinen Nächsten mehr als deine eigene Seele! Töte das Kind nicht durch Abtreibung, auch töte das Neugeborene nicht! Ziehe deine Hand nicht zurück von deinem Sohn oder von deiner Tochter, sondern lehre sie von jung auf die Furcht Gottes! Begehre nicht nach dem Besitz deines Nächsten, werde nicht habsüchtig! Geselle dich nicht in deinem Herzen zu den Hochmütigen, sondern verkehre mit den Demütigen und Gerechten! Was dir Übles zustößt, das nimm als gut an und wisse, dass ohne Gott nichts geschieht!75 […] Von allem sollst du deinem Nächsten mitteilen und nicht sagen, es sei dein eigen! Wenn ihr nämlich die unvergänglichen Güter gemeinsam habt, um wie viel mehr die vergänglichen?76 […] Das Böse hasse in Ewigkeit! Urteile gerecht! Rufe keine Spaltungen hervor, sondern stifte Frieden, indem du Streitende versöhnst! Bekenne deine Sünden! Schreite nicht zum Gebete mit einem schlechten Gewissen! Das ist der Weg des Lichtes.77