Hiob: Gesetz oder Gnade?

Das Buch Hiob ist das Lehrbuch der menschlichen Gerechtigkeit gegen göttliche Gnade und damit eine Zusammenfassung des Rufes Gottes durch die Bibel hindurch. Nirgendwo sonst aber ist dieser Konflikt drängender und gedrängter dargestellt als in diesem Buch. °Und gleichzeitigen ist es ein typische Ablauf eines Konfliktes mit Gott.

By Léon Bonnat – Hiob (1880)

Wenn Hiob nicht die Früchte seiner Gerechtigkeit erntet, wer dann=?

Hiob der Gerechte. Es ist nichts an ihm, das Strafe verdient hat. Und doch zerbricht sein Leben an Schicksalsschlägen. Das zerreißt jedes menschliche Gerechtigkeitsgefühl. Erntet der Gerechte nicht auch die Früchte seines Tuns. Wir alle empfinden so und doch sehen wir im Alltag, dass es diese Gerechtigkeit nicht gibt. Freilich, solange es uns gut geht greift uns dies nicht existenziell an. Denn wir wissen ja nicht, ob der, den das Schicksal trifft, nicht doch irgendwo, im Geheimen Sünden begeht, die diesen Schicksalsschlag rechtfertigen. Hat er es nicht doch verdient und wir wissen nichts davon?

Die Freunde Hiobs denken genau so.

Das, was die Freunde Hiobs über Gott gehört haben, kombinierten sie mit ihren bisherigen Erfahrungen und ihrem Denken. Das natürliche Denken der Menschen geht in der Regel davon aus, dass jede Auswirkung auch eine Ursache hat.

Das Denken der Freunde Hiobs ist oft auch das von uns Gläubigen:
„Gott ist gerecht! Folglich muss auch das schwere Schicksal eines Hiob gerecht sein!

Daraus wiederum lässt sich schließen, dass das Unglück auf ein Fehlverhalten Hiobs zurückzuführen ist! So ein großes Unglück bei einem Gottesmann kann doch unmöglich eine andere Ursache haben! Es muss doch letztlich auf eine Sünde Hiobs zurückzuführen sein, und wenn es nur eine Gedankensünde war! Alles andere würde ja bedeuten, dass Gott ungerecht ist und das wiederum ist nicht möglich!“

Gleichwohl rational wissen wir, dass es diese Gerechtigkeit nicht gibt. Wir sehen es ja tagtäglich.

Besonders bei uns selbst schreit dann alles dagegen, wenn wir selbst betroffen sind. Auflehnung und Wut gegen Gott sind die Folgen.

Menschliche Weisheit gegen den Schrei der Ungerechtigkeit

Die 3 Freunde des Hiob setzen ihre menschliche Weisheit gegen den Schrei der Ungerechtigkeit. Es darf nicht sein, dass Hiob schuldlos ist, denn dann kann mich das gleich Schicksal treffen. Kann Gott so ungerecht sein? Oder gibt es gar keinen Gott, das Schicksal empathielos über uns?

Solange sich unser biblisches Wissen mit unserem natürlichen Denken verbindet, solange werden wir auch das gleiche Denken wie die Freunde Hiobs haben.

Das natürliche Denken beinhaltet folgenden Kernpunkt:
Dir geschieht, wie du getan hast! Dieses Denken und diese Erfahrung kommen aus dem Gesetz und haben ihre Gültigkeit, solange sich jemand unter das Gesetz stellt! Die Menschen stellen sich solange unter das Gesetz, solange sie einigermaßen mit sich selbst zufrieden sind und daran glauben, dass sie es irgendwann einmal schaffen, die Ziele des Gesetzes aus eigener Kraft zu erreichen! Jeder, der andere verurteilt, jeder, der sagt: „Das kann mir nie passieren!“ verrät damit indirekt seine Überzeugung: „Mein Charakter, mein Wesen, meine Anstrengungen, meine Kraft reichen aus, damit mir dieses oder jenes nie passiert!“

Hand aufs Herz! Sind wir nicht oft auch noch in diesem Denken verhaftet? Dieses natürliche Denken, das sich dann aber auch mit dem biblischen Wissen paart, entspricht dem Denken der Freunde Hiobs!

Auch die Pharisäer berufen sich auf das Gesetz

Es ist ganz ähnlich wie bei den Juden in Israel. Sie alle waren Eiferer für das Gesetz.

Von diesen sagt Jesus in einer Vision zu Paulus:

Eile und geh schnell aus Jerusalem
hinaus! Denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen.

Apostelgeschichte 22,18


Das Zeugnis des Paulus,
• dass wir durch Gesetz nicht vollendet werden können,
• dass alles nur an dem sich erbarmenden Gott und Vater liegt,
• dass alles an Seinem Segen und an Seiner Gnade gelegen ist
• dass Gott in uns das Wollen und Vollbringen bewirkt,

Deshalb können solche, die Eiferer für das Gesetz sind, die Gnade nicht annehmen

Die Reden der Freunde werden verworfen.

„Und es geschah, als der Herr diese Worte an Hiob vollendet hatte, da sprach der Herr zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt über dich und deine beiden Freunde, denn ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.“

Hiob 42,7

Der Mensch kann Gott nichts entgegnen

Letztlich kann der Mensch aber Gott nichts entgegnen. Das kommt zum Ausdruck als Gott ab dem Kapitel 38 mit Hiob redet. Auch wir können mit Gott nicht rechten, wenn Gott mit uns spricht. Unser Herz wehrt sich allerdings gegen diese Erkenntnis.

Nur die Reden des vierten Freunde, nämlich Elihu, werden nicht verworfen. Und Elihu weist Hiob hin auf den Vermittler

Wenn es dann für ihn einen Gesandten gibt, einen Mittler, einen aus Tausenden, der dem Menschen Seine Gerechtigkeit verkündigt,

Hiob 33,23

Das Erbarmen Gottes bleibt Gnade

Das Erbarmen Gottes bleibt Gnade auch wenn wir noch so gerecht leben. Das ist ja die große Botschaft der Bibel. Nicht unsere Gerechtigkeit, Nicht einmal die Gerechtigkeit Hiobs, sondern sein Erbarmen. Das ist es auf was wir uns berufen können.

Elihu hat es so zu Hiob gesagt:

Jetzt zwar sieht man das Licht nicht, das doch leuchtend hinter den Wolken steht; aber der Wind wird sich erheben und sie wegfegen. 22 Von Norden her kommt Goldglanz; Gott ist von wunderbarer Pracht umgeben.

Hiob 37,21

Gott erbarmt sich wieder über uns.

Links

Hiob (Person)

Hiob (Buch)