
Paul Gerhardt heiratete im Februar 1655 Anna Maria, geb. Berthold. Es folgte eine glückliche Zeit, aber wenig später schon kamen so manche notvolle Umstände. Eine alte Geschichte berichtet davon. Als nicht einmal mehr ein Stäublein Mehl im Kasten und keine Rinde Brot mehr im Schrank gewesen war, sei seine Frau mit Sorgen zu Paul Gerhardt gekommen mit den Worten: „Gib mir nur einen Groschen, dass ich das Allernötigste kaufen kann. Sonst kann ich dir heute nicht einmal den Tisch zu Mittag decken!“ Aber nicht ein Kreuzer fand sich. Der treue Ehemann tröstete: „Ich will dir eine Speise besorgen, die nicht vergeht.“ Er setzte sich in sein Gartenhaus und schrieb das Lied „Befiehl du deine Wege“, welches wohl zu den bekanntesten der 133 Lieder gehört, die aus der Feder Paul Gerhardts hervorkamen
1. Strophe
Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.
2. Strophe
Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen;
es muss erbeten sein.
Hintergrund-Fact: Das Lied ist als sogenanntes Akrostichon aufgebaut. Wenn man die Anfangsbuchstaben aller 12 Strophen hintereinanderliest, ergeben sie (nach dem Psalm 37,5) den Satz: „Befiehl dem Herrn dein’ Weg und hoff auf ihn, er wird’s wohl machen.“