
„Als ich meinen Freund gefunden hatte, war er weg und fortgegangen.
Hoheslied 5,6.
Meine Seele war ausser sich, dass er sich abgewandt hatte. Ich suchte ihn,
aber ich fand ihn nicht; ich rief, aber er antwortete mir nicht.“
Zeiten des Schweigens Gottes sind notwendig, damit unsere Liebe zu ihm echt wird.
Wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, ich bin krank vor Liebe.
Hoheslied 5,8
Was erfüllt dein Herz, wenn es in notvolle Situationen kommt und geschlagen wird von Zweifeln, Spott und Verhöhnung, dass dein Geliebter nicht da ist?
Bleibst du erfüllt von Sehnsucht nach ihm, unabhängig von deinen wechselhaften Gefühlen und von den Behauptungen der Welt
Hast du dieses Verlangen, bei ihm zu sein, wie es der Psalmist sagt: „Wenn du nicht bei mir bist, so vergeht mir alles, was ich habe.“ (Psalm 73:25)?
Oder ist da Wut und Enttäuschung, Bitterkeit und Resignatio
Wirfst du ihm vor, dass er dich im Stich lässt, weil er dich nach dem ersten Gefühlsrausch der Gottesbegegnung auf den schmalen, steilen Weg der Nachfolge
Hegst du Selbstmitleid, weil dein Weg hart und schwierig scheint, kreist du klagend um dich selbst, weil deine Bedürfnisse nach Wohlbefinden und Sicherheit nicht mehr gestellt werden
Dann wirst du bald das Handtuch werfen und andere Geliebte suchen. Oder bist du entschlossen, den steilen und schmalen Weg bis an’s Ende zu gehen – weil du wirklich ihn und nicht dich suchst?
Am Ende wirst du wieder seine Stimme hören: „Du guter und getreuer Knecht, gehe ein zur Freude deines Herrn“?