Das Sterben von Maria Gerhard, der Frau von Paul Gerhardt

Am 19. Mai 1656 wurde Paul und Maria Gerhardt am Geburtstag von Anna Maria eine Tochter geschenkt. Aber sie blieb den Eltern nicht lange erhalten. Ein halbes Jahr später, am 28. Januar 1657, ist das Kind in der Kirche zu Mittenwalde begraben worden. Noch drei Mal mussten die beiden Eheleute an Gräbern ihrer Kinder stehen. Ein zweites Töchterchen starb bereits 14 Tage nach seiner Geburt. Ihr Sohn Andreas, zwei Jahre später geboren, scheint ebenfalls wenige Tage nach seiner Geburt gestorben zu sein. Nach der Geburt des dann folgenden Söhnchens Paul Friedrich wurde seine Frau sehr leidend. Noch einmal gab sie einem Kinde das Leben; es starb jedoch bald nach der Geburt. Dann wuchs sich ihr Brustleiden zu unheilbarem Siechtum aus. Zwei Ärzte mühten sich um sie, aber sie vermochten die Schwindsucht nicht mehr zu bannen. Bewegend ist die Geschichte ihres Heimgangs. Der Gatte sah, wie es mit ihr zu Ende ging. Er wollte sie gern auf die Todesstunde vorbereiten, ohne sie zu erschrecken. Als sie ihn bat, ihr doch aus seinem geschriebenen Gesangbuch Sterbe- und Passionslieder vorzulesen, versuchte der Dichter der großen Trostchoräle seine Frau mit seinen eigenen Liedern zu trösten. Von Anna Maria Gerhardt liegt ein ergreifendes Tagebuch vor, in dem sie ihren persönlichen Empfindungen bei vielen, meistens schmerzlichen Anlässen Ausdruck gab. Es endet vor ihrem Heimgang mit den beeindruckenden Worten: „In deine Hände befehle ich Seele und Leib! Ich kann nicht mehr – die Hand zittert! Christus ist mein Leben und Sterben, mein Gewinn“…