In Wolfgang Borcherts Drama Draußen vor der Tür ist die unbewältigte Verantwortung das zentrale Motiv für den inneren Zerfall des Protagonisten Beckmann. Als körperlich und seelisch gezeichneter Heimkehrer des Zweiten Weltkriegs versucht er verzweifelt, die moralische Schuld für den Tod von elf ihm anvertrauten Kameraden an seinen damaligen Oberst zurückzugeben. Beckmann scheitert jedoch daran, dass niemand in der deutschen Nachkriegsgesellschaft bereit ist, Verantwortung für die Gräuel des Krieges zu übernehmen oder seine Existenznot anzuerkennen.
Zusammenfassung von Draußen vor der Tür
Der Soldat Beckmann kehrt nach Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft gebrochen nach Hamburg zurück. Aus Verzweiflung springt er in die Elbe, doch der Fluss verweigert ihm den Tod und spült ihn wieder an Land. Es beginnt eine alptraumhafte Suche nach einem Platz in einer Welt, die ihn nicht mehr haben will:
- Das Mädchen und der Ehemann: Ein Mädchen nimmt den frierenden Beckmann auf. Dort trifft er jedoch auf ihren Mann – einen Kriegskameraden, der wegen Beckmanns einstigen Befehlen ein Bein verloren hat.
- Der Oberst: Beckmann sucht seinen früheren Kommandanten auf, um ihm die Verantwortung für die gefallenen Soldaten symbolisch zurückzugeben. Der Oberst tut Beckmanns Gewissensbisse jedoch nur als makabere Unterhaltung ab.
- Der Kabarettdirektor: Beckmann versucht, seine Erlebnisse auf der Bühne zu verarbeiten, doch der Direktor lehnt seine bittere Wahrheit als zu ungemütlich für das Publikum ab.
- Das Elternhaus: Als er sein altes Zuhause aufsucht, erfährt er von einer Nachbarin, dass sich seine Eltern wegen ihrer Nazi-Vergangenheit das Leben genommen haben.
Am Ende steht Beckmann völlig isoliert auf der Straße. Er bleibt als Verstoßener draußen vor der Tür zurück und richtet seine unbeantworteten Fragen nach Schuld, Gott und menschlicher Wärme an eine stumme Welt.