Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem. (1. Mose 14,18-20)
Gemäß dieser Textstelle ist Melchisedek der „König von Salem“ und ein „Priester des Höchsten Gottes“. „König von Salem“ kann als „König von Jerusalem“ oder auch als „König des Friedens“ (Salem könnte hier Frieden bedeuten) interpretiert werden und lässt offen, ob sich mit diesem Königstitel weltliche Macht verband. Der Name Melchisedek bedeutet „König der Gerechtigkeit“
Die Bedeutung Melchisedeks besteht darin, dass er der erste überhaupt im Tanach erwähnte Priester ist und dass er für sein Opfer Brot und Wein verwendet, nicht Fleisch von Opfertieren, wie die späteren Priester des alten Testaments. Ferner wird „Salem“ häufig als die Stadt (Jeru)salem interpretiert,
Melchisedek ist in Psalm 110,4 erwähnt, einer Hoheitszusage an den davidischen König Israels, der zugleich Hoherpriester ist: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“. Die Zusage an den Herrn von David ist dass sein Priestertum kein Ende haben wird und dies nach der Ordnung Melchisdeks ist.
In Hebräer 5-7 wird Melchisedek auf Jesus interpretiert:
David ist als König von Israel Vorfahre Jesu Christi (nach Mt 1,6 EU), deshalb „Du bist Priester“, obwohl David selbst kein Priester war.
Christi Priestertum ist ewig.
Von Melchisedek werden weder Vor- noch Nachfahren, weder Anfang seiner Tage noch Ende seines Lebens erwähnt.
Auch das königliche Priestertum Christi ist weder von Vorfahren geerbt noch wird es an Nachfahren vererbt, denn Christus stirbt nie mehr.
Das von Jesus eingesetzte Abendmahl zur Erinnerung an seinen Tod und seine Auferstehung wird mit Brot und Wein „nach der Ordnung des Melchisedek“ gefeiert (vgl. 1. Mose 14,18).
Abraham, der sich Melchisedek freiwillig unterstellt, gilt hier als Verkörperung aller von ihm abstammenden Israeliten, inklusive der späteren Leviten und ihres Priesteramtes, welches sich somit dem ewigen Priestertum Christi untergeordnet hat. Eine auf Abstammung beruhende Priesterschaft gibt es fortan nicht mehr, da Christus einziger Hoherpriester und alle Christen seither „Priester“ sind und so den direkten Zugang zu Gott haben (Hebräer 10,19-22)