Die Erzählung „Der Tod des Iwan Iljitsch“ von Leo Tolstoi wird zu den bedeutensten Werken der Weltliteratur gezählt.

Die Geschichte erzählt das Leben des Iwan Iljitsch.
Iwan Iljitsch ist ein erfolgreicher Richter, der ein bürgerliches, äußerlich geordnetes Leben führt. Er strebt nach gesellschaftlichem Ansehen, Ordnung und Bequemlichkeit. Doch plötzlich erkrankt er schwer – eine Krankheit, die niemand richtig diagnostizieren kann und die ihn schließlich ans Sterbebett fesselt.
Mit der Krankheit beginnt für Iwan eine tiefe innere Krise. Er wird mit der Frage nach dem Sinn seines Lebens konfrontiert. In der Konfrontation mit dem Tod erkennt er, dass sein Leben oberflächlich und von Anpassung geprägt war – nicht von echter Menschlichkeit oder Liebe.
„Noch entsetzlicher als Iwans physische Leiden waren seine moralischen Leiden, und darin vor allem bestand seine Qual. Seine moralischen Leiden bestanden darin, dass ihm in dieser Nacht, während er das schläfrige, gutmütige Gesicht Gerassims mit seinen vorstehenden Backenknochen betrachtete, plötzlich in den Sinn gekommen war:
‚Wie, wenn in der Tat mein ganzes Leben, das bewusste Leben, nicht das Richtige war? … Wenn dem aber so ist’, sagte er zu sich, ‚und ich gehe aus dem Leben mit dem Bewusstsein, alles z u g r u n d e gerichtet zu haben, was mir gegeben war, und es n i c h t mehr gut machen zu können – was dann?’
Erst durch das unausweichliche Leiden und die Einsamkeit des Todes erkennt Iljitsch die Leere seines bisherigen Lebens – und beginnt, sich ehrlich zu fragen, was wahr und was gut ist. Wahrheit beginnt dort, wo die Fassade zerbricht.
Nur der einfache Dienst des jungen Gerassim, der Iljitsch liebevoll pflegt und ehrlich mit ihm umgeht, wirkt tröstend und heilend.
„Gerassim war der Einzige, der Iwan Iljitschs Leiden nicht verheimlichte und ihm nicht mitleidig, sondern mit einer stillen, ruhigen Heiterkeit begegnete. Er verstand, dass das, was er tat, für einen Sterbenden keine Last, sondern eine Hilfe war, und er tat es mit Einfachheit, wie etwas Natürliches, was man tun müsse.
›Es ist nichts, Iwan Iljitsch‹, sagte er, ›du wirst schon gesund werden.‹ Und wenn er das sagte, leuchtete sein Gesicht, und aus seinen Augen sprach das Leben.
„Gerassim war der einzige, der nicht log; er allein begriff, was vor sich ging, und hatte kein Bedürfnis, es zu verbergen, sondern empfand Mitleid mit dem Kranken. Einmal sagte er offen, daß es allen so ergehen müsse, und daß es daher nichts sei, worüber man sich grämen müsse, und er tat, was er konnte, um Iwan Iljitsch zu helfen. Wenn er ihm die Beine hochhielt, um den Schmerz zu lindern, tat er es mit Leichtigkeit, als ob es ihm Vergnügen bereite.“
Gerassim ist ein Bild für Jesus – demütig, dienend, barmherzig.
Jesus sagte: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40
Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)
Am Ende sagt Iwan:
„Er suchte sein früheres gewohntes Furchtgefühl vor dem Tod, und fand es nicht.
Wo ist er? Wie ist der Tod? Da war keine Furcht, weil da auch kein Tod war.
Statt des Todes war das Licht.
›So ist das also!‹ sagte er plötzlich laut.
›Wie wohl das ist!‹ sagte jemand über ihm.
Er hörte diese Worte, wiederholte sie in seiner Seele.
›Der Tod ist vorbei,‹ sagte er zu sich selbst. ›Es gibt ihn nicht mehr.‹
Er sog die Luft ein, hielt in der Mitte des Atems an, streckte sich und starb.“
Diese Erzählung ist eine Anspielung auf den Sieg Christi über den Tod Es ist ein Moment der Gnade und Erlösung, fast wie eine Bekehrung im Sterben.
Tolstoi legt nahe: Wer sein Leben verliert , wird es finden.
Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden!
Matthäus 10,39