Was geschieht, wenn ein großer Schriftsteller dem eigenen Ende ins Auge blickt? In seinem letzten Buch „Abschied(e)“ stellt sich Julian Barnes dieser Frage – ohne Pathos, ohne Trostversprechen, aber mit eleganten Ironie und Gelassenheit. Die Junge Freiheit hat darüber berichtet.

Der Kulturphilosoph Ernest Becker hat in seinem Buch „The Denial of Death“ die These entwickelt, dass alles Tun des Menschen darauf abzielt, die eigene Sterblichkeit zu verleugnen. Die Kultur und ihre Objektivationen wie Religion, Kunst und Literatur sind nach Becker „Unsterblichkeitsprojekte“.
Ludwig Witzani
Alles Handeln ist auf Bedeutung, Dauer und Fortbestehen angelegt. „Ich habe ein Denkmal errichtet, dauerhafter als Erz“, schrieb Horaz in seinen „Oden“. Und Ovid fügte hinzu: „Ich habe ein Werk vollendet, das weder Jupiters Zorn noch Feuer, noch Eisen, noch die alles verzehrende Zeit zerstören kann.“
Stolue Worte und doch hindern sie nichts an der Sterblichkeit, an der Endlichkeit.
Wir ignorieren diesen in uns angelegten Keim, bis wir mit ihm konfrontiert werden. Und dann werden wir in unserer Existenz getroffen, kalt und unerbittlich.
Panik und Verzweiflung haben mich gepackt im letzten Jahr und mir meine Ausrichtung auf das Diesseitige kompromisslos vor Augen geführt. Trotz aller Religion und Glaube. Haschen nach Wind, nennt die Bibel das.
In dem Buch „Der Tod des Iwan Iljitsch“ von Leo Tolstoi spricht der Pfleger des sterbenden Iwan Iljitsch, der ein Bild für Jesus ist, das aus, was wir wissen aber so lange verdrängen, wie es geht.
Gerassim war der einzige, der nicht log; er allein begriff, was vor sich ging, und hatte kein Bedürfnis, es zu verbergen, sondern empfand Mitleid mit dem Kranken. Einmal sagte er offen, daß es allen so ergehen müsse, und daß es daher nichts sei, worüber man sich grämen müsse,
Wie fundamental anders als unsere Ignoranzz ist die Antwort des Paulus im 2. Korintherbrief.
Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.
2. Korinther 4,16–18 – 2. Korinther 5,1
Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein nicht mit Händen gemachtes, ewiges Haus.