Aufgewachsen ist Eric im ländlichen Surrey, Südengland, im religiösen Umfeld der Anglikanischen Kirche. In seiner Autobiografie schreibt er von einer «starken Neugier» auf spirituelle Dinge. Allerdings habe ihn sein Suchen weggeführt von Kirche und gemeinsamen Gottesdiensten hin zu einer «inneren Reise».
Leben wie auf der Achterbahn
Mister Slowhand, wie seine Fans ihn nennen, hat aber auch schwierige Zeiten erlebt: Von riesigen musikalischen Erfolgen, hin zu tiefen persönliche Abstürzen in Drogen und Alkohol und einer ständigen Suche nach Heimat und Halt. Endlich runter vom Heroin, verfällt Clapton dem Alkohol, einer Sucht, die ihm mehrmals fast das Leben kostet.
Der erste Anlauf
1969 kommen nach einem Konzert zwei Christen in Claptons Garderobe. Die beiden Jugendlichen bitten den Musiker, mit ihnen zu beten. Als sie niederknien, sieht Eric Clapton «ein blendendes Licht» und spürt Gottes Gegenwart. Das Erlebnis verschweigt er nicht, erzählt «jedem», dass er nun ein «wiedergeborener Christ» sei.
Doch er überwindet seine Süchte nicht: «Dass ich in den schlimmsten Augenblicken meines Lebens nie auf die Idee gekommen war, mich umzubringen, lag nur daran, dass ich als Toter nicht mehr hätte trinken können», beschreibt Clapton seinen Zustand.
Ein Sohn wird geboren
Mitte der Achtziger scheint ihm ein Neuanfang zu glücken, als er, nach jahrelangen Abstürzen und Entzugsversuchen endlich clean, mit Lori del Santo einen Sohn, Conor, bekommt. Clapton über diese Zeit: «So langsam wurde mir bewusst, dass ich jetzt Vater war und allmählich mal erwachsen werden sollte. Zwar schien mir mein ganzes bisheriges Verhalten, obwohl irrational, doch einigermassen entschuldbar, weil ich es immer nur mit Erwachsenen zu tun gehabt hatte, aber dieses winzige, so ungeheuer verletzliche Kind machte mir plötzlich klar, dass ich endlich aufhören musste, dauernd nur Mist zu bauen. Fragte sich bloss: wie?»
Die Kette zerreissen
«Ich war wie ein Grashalm im Wind. Ich konnte in einer Minute stolz und selbstbewusst über allem stehen, und in der nächsten wälzte ich mich in Verzweiflung. Aber ich musste immer wieder an Conor denken, machte mir sein Leben bewusst und was es mir abverlangte, sowie die entsetzliche Möglichkeit, dass alles sich wahrscheinlich wiederholen würde, wenn ich es diesmal nicht hinbekam. Die Vorstellung, dass er selbst das alles einmal durchmachen müsste, war am Ende das Entscheidende. Ich musste die Kette zerreissen, ich musste ihm geben, was ich selbst nie wirklich gehabt hatte – einen Vater.»
Flehen um Hilfe
Clapton ging wieder einmal in eine Entzugsklinik. «Der Lärm in meinem Kopf war betäubend, alles in mir schrie nach Alkohol. Schockiert musste ich erkennen, dass ich selbst in diesem Behandlungszentrum, in dieser angeblich sicheren Umgebung, ganz ernsthaft in Gefahr war. Das machte mir eine Heidenangst.
Ich zählte die Tage in der Hoffnung, dass sich in mir etwas ändern würde, ohne dass ich selbst viel dazu beitragen müsste. Aber dann geriet ich gegen Ende meines Aufenthalts plötzlich in Panik, denn ich spürte, dass nichts in mir sich geändert hatte und dass ich völlig schutzlos wieder in die Welt hinausgehen würde.
In diesem Augenblick gaben meine Beine fast wie von selbst nach, und ich sank auf die Knie. In der Abgeschiedenheit meines Zimmers flehte ich um Hilfe. Ich hatte keinen Begriff davon, mit wem ich da redete, ich wusste nur, dass ich mit meiner Kraft am Ende war und den Kampf verloren gegeben hatte.
Dann fiel mir ein, was ich über Kapitulation gehört hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ich dazu fähig wäre, weil mein Stolz das einfach nicht zulassen würde, aber jetzt wusste ich, allein würde ich es nicht schaffen, also bat ich um Hilfe, sank auf die Knie und kapitulierte.»
Gebete wirken
«Nach wenigen Tagen bemerkte ich, dass etwas mit mir geschehen war. Ein Atheist würde wahrscheinlich sagen, da habe sich eben meine Einstellung geändert, und in gewisser Weise stimmt das sogar, aber es steckte noch sehr viel mehr dahinter. Ich hatte einen Ort gefunden, an den ich mich wenden konnte, einen Ort, von dem ich immer gewusst hatte, dass es ihn gab, an den ich aber nie wirklich hatte glauben wollen.
Von diesem Tag an bis zum heutigen habe ich jeden einzelnen Morgen gebetet, auf den Knien gelegen und um Hilfe gefleht, und jeden einzelnen Abend habe ich für mein Leben und, vor allen Dingen, für meine Nüchternheit gedankt…
Wenn ihr fragt, warum ich das alles mache, will ich es euch sagen… weil es funktioniert. So einfach ist das. In der ganzen Zeit, seitdem ich nüchtern bin, habe ich nicht ein einziges Mal ernsthaft daran gedacht, Alkohol oder Drogen zu mir zu nehmen.»
Sohn Conor stirbt
«Je länger meine Nüchternheit anhielt, desto wohler fühlte ich mich bei Conor und freute mich jedes Mal, wenn ich ihn sehen konnte. Die besten Zeiten in diesen ersten Jahren meiner Nüchternheit verbrachte ich mit meinem Sohn und seiner Mutter. Nie hatte ich stärker das Gefühl, ein normales Leben zu führen, als mit diesen beiden.» Das Glück war aber nur von kurzer Dauer: Als Vierjähriger stürzt Conor aus dem Fenster eines Hochhauses.
An diesem Morgen hatte der Hausmeister die Fenster geputzt und für kurze Zeit offen gelassen. Conor spielte mit seinem Kindermädchen Verstecken und rannte in der Wohnung herum, und während seine Frau von dem Hausmeister abgelenkt wurde, der sie auf die Gefahr hinwies, lief Conor auch schon in das Zimmer und geradewegs aus dem Fenster. Er stürzte neunundvierzig Stockwerke tief und landete auf dem Dach eines vierstöckigen Nebengebäudes.
Trotzdem verfällt Clapton nicht mehr der Sucht. «Vor meiner Genesung fand ich meinen Gott in der Musik und in den Künsten, bei Schriftstellern wie Hermann Hesse und Musikern wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf und Little Walter. In gewisser Weise und in gewisser Form war mein Gott schon immer da, aber jetzt hatte ich gelernt, mit ihm zu sprechen.»
Clapton verarbeitet Leid
Eric Clapton verarbeitete den tragischen Tod seines Sohnes in «Tears in Heaven», einem seiner bekanntesten Stücke. Hier eine Textpassage:
Würdest Du meinen Namen kennen, wäre es so wie immer, wenn ich Dich im Himmel träfe?
Würdest Du meine Hand halten, würdest Du mich aufrechthalten, wenn ich Dich im Himmel träfe?
Ich muss hart zu mir selbst sein, irgendwie weitermachen, muss meinen Weg finden durch Tag und Nacht, denn ich weiss: Ich gehöre nicht in den Himmel, da kann ich nicht bleiben.
Das Leben kann einen Menschen vom hohen Ross herunterholen, kann Herzen aufbrechen, kann zum Beten und Betteln bringen.
Jenseits der Himmelstür, da bin ich mir ganz sicher, herrscht Frieden. Und ich weiss: im Himmel gibt es keine Tränen mehr. Livenet.ch