Protevangelium = Vorevangelium.
Das Protoevangelium des Jakobus (auch ‚Offenbarung des Jakobus‘) ist ein frühchristlicher Text (um 150 n. Chr.) der nicht als kanonisch angesehen wurde, da er nicht Jesus, sondern die Jungfrau Maria in den Mittelpunkt stellt. Er weicht in zahlreichen Details von der neutestamentarischen Texten ab. So wird zum Beispiel Jesus nicht in einem Stall, sondern in einer Höhle geboren.
Der Text ist die Grundlage zahlreicher mittelalterlicher Legenden zur Marienverehrung. Leonardo da Vincis Gemälde ‚Felsgrottenmadonna‘ ist auf Basis dieses Textes entstanden.
Leonardo da Vinci – Die Felsgrottenmadonna
Der Text stammt nicht von Jakobus.
Im Protoevangelium ist enthalten, dass Joseph und Maria keine weiteren Kinder mehr hatten (ein früher Glaube in der Kirche) und dass die Geschwister, die in der Bibel erwähnt sind, aus der ersten Ehe des Joseph stammen.
Im Übrigen handelt es sich überwiegend auch Legenden:
Das Protevangelium des Jakobus ist das früheste und mit Abstand wichtigste apokryphe Evangelium mit den größten Wirkungen auf Theologie und Kunst sowohl in der Ost- als auch der Westkirche. Motive aus dem Jakobusevangelium finden sich dementsprechend häufig in der christlichen Ikonographie wieder. Auch die Darstellung des heiligen Josef als älterer Mann geht auf die Schilderungen des Protoevangeliums des Jakobus zurück. In Kapitel 10,2 sagt Josef etwa von sich: „Ich bin ein alter Mann und habe Söhne“. Besonders einflussreich wurden die Berichte des Protoevangeliums für die Mariologie, insbesondere die Vorstellung von der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias aber auch der Josefsehe, in der christlichen Frömmigkeit und Kunst.
Motive aus dem Jakobusevangelium finden sich – vermutlich vermittelt durch das arabische Kindheitsevangelium – in veränderter Form auch im Koran wieder. So die Betonung der Jungfrauengeburt Isas (Sure 19,20; 3,47) und die Verteidigung der Jungfräulichkeit Maryams gegen verleumderische Beschuldigungen der Juden werden als Reflex spätantiker christlicher Marienfrömmigkeit gedeutet, die sich ihrerseits aus dem Protoevangelium des Jakobus speiste. Während im Protoevangelium die Anfeindungen eines Schriftgelehrten schon vor der Geburt Jesu durch ein Gottesurteil erfolgreich abgewehrt werden (Kapitel 15/16), ist es im Koran allerdings der Jesusknabe selbst, der unmittelbar nach seiner Geburt auf wundersame Weise zu sprechen beginnt, um seine Mutter gegen falsche Verdächtigungen zu verteidigen (Sure 19,29–33). Die Figur des Josef als Ehemann und Beschützer Marias fehlt im Koran.