Ach, ihr denkt, ich komme mit Hörnern, mit Schwefelgestank, mit Flammen und Ketten?
Wie altmodisch. Ich komme leise.
Ich flüstere. Ich like. Ich teile.
Ich beginne nicht mit Krieg – ich beginne mit Ablenkung.
Gebt mir eure Kinder, und ich geb ihnen einen Bildschirm.
Nicht zu groß – klein genug, dass er in jede Hand passt,
und groß genug, um jede Seele darin zu verlieren.
Ich muss ihnen nichts wegnehmen. Nur alles auf einmal geben:
Information, Emotion, Empörung.
Schnell. Laut. Bunt.
Kein Moment für Stille. Denn in der Stille spricht das Gewissen.
Ich verändere die Sprache.
Was man nicht benennen kann, kann man nicht denken.
Was man nicht denken kann, kann man nicht hinterfragen.
Und was man nicht hinterfragt – das bleibt.
Ich mache Meinung zur Wahrheit und Wahrheit zur Option.
Ich sage: „Jede Sichtweise ist gleich viel wert“,
und meine: „Nichts ist mehr etwas wert.“
So zerschneide ich die Verbindung zur Wirklichkeit –
ganz ohne Blut.
Ich locke sie mit Glanz, Status, Körperbildern.
Ich mache sie hungrig, aber nie satt.
Denn ein leerer Mensch kauft mehr.
Und wer nur noch kauft, fragt nicht mehr nach Sinn.
Ich gebe ihnen das Mantra:
„Du bist genug – solange du dich ständig optimierst.“
So werden sie müde vom Selbstsein.
Und nennen das Fortschritt.
Ich raube ihnen Gemeinschaft.
Ich sage: „Du brauchst niemanden.“
Dann sitzen sie allein in ihren Zimmern,
umgeben von tausend Gesichtern
– und keinem echten Blick.
Ich mache Bildung zu Punkten, Noten, Rankings.
Keine Fragen. Nur Antworten zum Ankreuzen.
So verlernen sie das Staunen.
Ihr werdet sehen:
In einer Welt voller „Ichs“,
wird niemand mehr wissen, was „Wir“ bedeutet.
Und das Schönste?
Ich muss niemanden zwingen.
Sie laden mich freiwillig ein.
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