Ein Mann steht in Berlin – Neukölln und predigt auf türkisch.

Der Name des Mannes, der hier missioniert, ist David Byle. Er ist Kanadier, in den USA aufgewachsen. Jahre seines Lebens hat er mit der Organisation „Operation Mobilisation“ (OM) in der Türkei als Missionar verbracht, saß dort sogar im Gefängnis, weil er öffentlich für seinen Glauben warb. Als Präsident Recep Tayyip Erdoğan ihn und seine deutsche Ehefrau Ulrike nicht mehr im Land dulden wollte, kamen sie nach Berlin. Türken machen in der Hauptstadt sechs Prozent des Bevölkerungsanteils aus, in manchen Stadtteilen wie Neukölln oder Wedding sogar mehr. Die wenigsten Fußgänger scheinen ihn zu beachten. Hier und da bleibt einer kurz stehen. Und schaut skeptisch, wenn Byle, der abwechselnd auf Türkisch, Deutsch und Englisch spricht, Dinge sagt wie: „Er ist auferstanden, Halleluja.“
„Wir machen das hier nicht für Christen“, sagt Byle. „Wir machen das für die Muslime, die hier leben. Wir zeigen ihnen, dass der christliche Glaube noch da ist in Deutschland.“ Ob es ihn störe, dass ihm hier so wenige zuhören? Byle schaut, als würde er die Frage nicht verstehen. Dann, als wäre es so geplant, winkt eine der Helferinnen ihn heran. Sie brauche jemanden, der Türkisch spricht. Ein Mann mittleren Alters, graue Haare, imposante Statur, ist stehen geblieben und hat offensichtlich Fragen. Er ist Kurde, erzählt Byle später, vor kurzem eingewandert aus der Türkei. Hier aber fühle er sich schlecht behandelt. Die Türken, mit denen er zu tun habe, würdigten ihn wegen seiner kulturellen Zugehörigkeit herab. Die Deutschen verstünden ihn nicht. Er habe sogar schon Hilfe in einer Kirche gesucht, aber der Pfarrer habe seine Sprache nicht gesprochen.
David lädt ihn nach einem langen Gespräch zwischen liegengebliebenen Kaffeebechern, Autolärm und Sirenen in die türkische Kirche ein, die er selbst besucht. „Wir werden uns wiedersehen“, sagt er zuversichtlich. Straßenevangelisation, davon ist er überzeugt, funktioioniert auch heute noch. Medienmagazin PRO