Ebenfalls zu den Schriften der Apostolischen Väter gezählt wird die Didache (griech. «Lehre»). Die Schrift wird mit vollem Titel auch «Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden» oder kurz «Zwölfapostellehre» genannt.
Diese Didache, von deren Existenz man aufgrund früher Erwähnungen wusste, war jedoch lange verschollen. Eine genaue Datierung ihrer Abfassung ist nicht möglich. Viele Forscher nehmen jedoch an, dass sie, oder zumindest große Teile daraus, schon aus dem 1. Jahrhundert stammt. Vermutlich wurde sie im syrisch-palästinischen Raum verfasst. Auf die frühe Datierung deutet hin, dass es offenbar in den Gemeinden, an die die Didache sich richtet, noch keine festen örtlichen Gemeindeämter gab, und dass stattdessen reisende Propheten und Lehrer die Gemeinden besuchten und auf diese Weise leiteten.
Das ist das genaue Gegenteil des Idealbildes einer von einem einzigen Bischof geleiteten Gemeinde, das Ignatius etwa zeitgleich und ungefähr im gleichen geografischen Raum vertrat. Auch hier sehen wir, dass die frühen Christengemeinden in ihren Strukturen unterschiedlich organisiert waren.69 Und zugleich, auch das ergibt ein Vergleich der Schriften, besaßen sie in ihrem Glauben und ihrer Lehre eine große Übereinstimmung. Die Freiheit und Vielgestaltigkeit der Formen war gerade dadurch möglich, dass sie sich im Kern einig waren: im Glauben an Jesus Christus und dem Festhalten an der apostolischen Lehre. Eine Zahl weiterer früher Schriften wird zu den Apostolischen Vätern gezählt. Da sie gerade in ihrer Unterschiedlichkeit Einblicke in das Denken, den Glauben und das Leben der frühen Christen gewähren, sollen sie hier zitiert werden. Gerade diese Kostproben können uns einen Eindruck von der geistigen Atmosphäre dieser Epoche vermitteln.70