Gallio (Prokonsul)

Wer war Gallio (Prokonsul)?

Lucius Junius Gallio Annaeanus, ursprünglich geboren als Lucius Annaeus Novatus um etwa 5 v. Chr. in Corduba (Cordoba, Spanien), war ein römischer Senator, später Suffektkonsul, und älterer Bruder des bekannten Philosophen Seneca des Jüngeren. Nach der Adoption durch den Senator Lucius Junius Gallio nahm er dessen Namen an.

Er diente als Prokonsul von Achaia (eine römische Provinz, zu der unter anderem Korinth gehörte). Seine Amtszeit lässt sich sehr genau datieren – anhand der sogenannten Delphi-Inschrift, in der Kaiser Claudius Gallio als „meinen Freund und Prokonsul“ bezeichnet, die auf das Jahr 52 n. Chr. datiert ist. Damit lässt sich seine Amtszeit auf etwa Sommer 51 bis Frühjahr 52 n. Chr. eingrenzen.


Bekanntes Urteil: Paul vor Gallio

In der Apostelgeschichte (18,12–17) wird beschrieben, wie Juden in Korinth Paulus vor Gallio brachten, weil sie ihn des Verstoßes gegen das mosaische Gesetz bezichtigten. Gallio wies die Klage mit den Worten zurück, es handle sich um Streitigkeiten über „Worte und Namen“ und das eigene Gesetz – das sei keine Sache, die er richten wolle. Er wies sie ab, und während dieser Szene wurde Sosthenes, ein Synagogenvorsteher, von der Menge verprügelt, worauf Gallio gleichgültig blieb.

Diese Episode gilt als eine der zuverlässig datierbaren Stationen im Leben des Apostels Paulus.


Was geschah später?

Nach seiner Rückkehr nach Rom wurde Gallio um 56 n. Chr. zum Suffektkonsul ernannt. Später, vermutlich im Jahr 65 n. Chr., als sein Bruder Seneca zum Selbstmord gezwungen wurde, kam auch Gallio unter den Verdacht, bis hin zu einem angeblichen Tod durch Suizid.