Eine vertiefte Auseinandersetzung zwischen Bibel und Koran im Zusammenhang mit der Darstellung Abrahams

Abraham als muslimischer Prediger, Prophet und Gesandter

Vorbemerkungen

Der Koran kennt keine zusammenhängende Abraham-Geschichte. Er nimmt vielmehr an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Zusammenhängen in insgesamt 25 Suren auf Abraham Bezug.1 Ich versuche in der folgenden Darstellung, dem gesamten Textbestand gerecht zu werden, auch wenn das etwas ermüdend erscheint. Hinsichtlich des Stiles ist dabei zu bedenken, dass sich der Koran als Anrede Allahs (mit ihm ist das Subjekt „wir“ gemeint) an Mohammed (vermittelt durch einen Engel) versteht. Allah erinnerte Mohammed gewissermaßen an Abraham und seine Treue zum Eingottglauben in einer heidnischen Umwelt und stellte ihm damit Abraham als großes Vorbild hin. Nach Sure 26,69 soll Mohammed die Geschichte von Abraham „verlesen“. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass Mohammeds Hörer die Abrahamgeschichte kannten und durch Mohammed an einzelne Züge erinnert werden. Ein typischer Text ist Sure 21,51-71. Darin sagte Allah, dass er Abraham zum wahren Gottesglauben geführt habe. Dann wird berichtet, wie Abraham die Götzenbilder seines Vaters und seiner Sippe kritisierte. Diese verteidigten sich mit dem Hinweis auf die Tradition, aber Abraham hielt ihnen ihren Irrtum vor. Daraufhin unterstellten sie Abraham Unaufrichtigkeit, aber dieser bekannte sich zu Allah, dem Schöpfer, und kündigte an, die toten Götzen zu überlisten. Er zerschlug die Götzenbilder bis auf eins, woraufhin sich eine Diskussion zwischen zwei Gruppen der Sippe Abrahams ergab. Man verdächtigte einen jungen Mann(!) namens Abraham des Frevels an den Götzen und stellte ihn zur Rede. Abraham gebrauchte eine Lüge, um die toten Götzen zu verspotten, und verursachte dadurch einen Streit zwischen den beiden Gruppen der Götzendiener. Wieder verkündigte er den Glauben an den einen Gott und erklärte Götzendienst für Dummheit. Daraufhin wollten seine Gegner ihn verbrennen, aber Allah kühlte das Feuer ab und rettete Abraham. Die Gegner wurden dagegen vernichtet. Der Spott über die toten Götzen erinnert an die Propheten Israels. In der jüdischen Verkündigung des Eingottglaubens spielte die Verspottung der ohnmächtigen Götzen eine erhebliche Rolle. Schon in der jüdischen Literatur erscheint Abraham als Prediger des Eingottglaubens, und das wird Mohammed von Juden erfahren haben. Er nahm diesen Gedanken auf, aber er verkannte die biblische Dramatik der Gefährdung und Erfüllung der Verheißungen. Deshalb gibt es im Koran keinen Text, der 1. Mose 12 entsprechen würde. Lediglich der Untergang Sodoms und Gomorras und die Opferung des Sohnes Abrahams (ohne Namensnennung) werden einigermaßen ausführlich berichtet. Ansonsten erscheint Abraham als Kämpfer für den Eingottglauben, als Muslim, Prophet und Gesandter Allahs. Abrahams Kampf gegen den Götzendienst Allah gab Abraham „seine richtige Einsicht“ (21,51), denn er war von Noahs „Art“ (37,83) und lebte mit „gesundem Herzen“ (37,84). Abraham kritisierte den Götzendienst seines Vaters Azar (6,74; ähnlich 19,42), sagte zu ihm, dass er „Wissen erhalten“ habe, und rief ihn deshalb auf, ihm auf „einen ebenen Weg“ zu folgen (19,43). Er mahnte seinen Vater und dessen „Leute“, nicht Standbildern zu dienen (21,52), fragte ihn und sie kritisch nach dem Götzendienst (26,70, ähnlich 37,85) und bezeichnete diesen als Lüge (37,86). Er bekannte sich zu Allah als dem „Herrn der Menschen in aller Welt“ (37,87), während sich sein Vater und seine „Leute“ zum Götzendienst bekannten (26,71). Abraham argumentierte, dass Götzen Gebete nicht erhören (26,72) und weder nützen noch schaden können (26,73). Er mahnte seinen Vater, nicht Satan zu dienen (19,44) und warnte ihn vor der Strafe Allahs und vor der Freundschaft mit Satan (19,45). Umgekehrt mahnte Azar seinen Sohn, die Götter nicht zu verschmähen, drohte ihm mit Steinigung und wollte ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen (19,46). Der Ausdruck „Leute Abrahams“ (nach anderen Übersetzungen „Volk Abrahams“) zeigt, dass Mohammed die Abraham-Erzählung geschichtlich nicht einordnen konnte. Alles bleibt vage, wie so vieles im Koran. Nach 21,53 beriefen sich die Leute Abrahams beim Götzendienst auf ihre Väter (ähnlich 26,74). Abraham hielt ihnen und ihren Vätern Irrtum vor (21,54). Sie fragten kritisch zurück, ob Abraham ihnen die Wahrheit sage oder sie nur narren wolle (21,55). Nach 22,43 wurde Abraham von seinen Leuten Lüge vorgeworfen. Er aber verspottete die Götzen, weil sie weder essen noch sprechen können (37,91-92). In der Auseinandersetzung mit den Götzendienern bezeugte Abraham den Glauben an den Schöpfer (21,56) und kündigte an, die Götzen zu „überlisten“ (21,57). Er zerschlug die Götzenstatuen bis auf eine große (21,58; vgl. 37,93, wo Abraham mit seiner Rechten auf die Götzen einschlug). Als die Leute den Schaden entdeckten, fragten sie nach dem Urheber (21,59, vgl. 37,94) und äußerten Verdacht gegen den „Burschen namens Abraham“ (21,60). Ein Verhör Abrahams wurde angeordnet (21,61) und durchgeführt (21,62). Darin behauptete dieser spöttisch, dass der größte Götze die anderen zertrümmert hätte und man ihn fragen sollte (21,63). Diese List Abrahams entzweite die Götzendiener, die sich gegenseitig des Frevels bezichtigten (21,64). Sofort aber besannen sie sich, kritisierten Abraham und sagten, dass die Götzen doch gar nicht reden könnten (21,65) – womit sie ihre Torheit zugaben! Das nützte Abraham aus, um gegen den Götzendienst zu argumentieren (21,66, vgl. 37,95f: die Götzen sind Menschenwerk, Allah dagegen ist der Schöpfer) und die Götzendiener zu tadeln (21,67). Daraufhin ertönte der Aufruf, Abraham zu verbrennen (21,68; vgl. 29,24: Abraham sollte wegen seiner Predigt getötet und verbrannt werden, aber Allah errettete ihn; nach 37,97 wollte man ihn in einem eigens dafür errichteten Bau verbrennen. Das Thema erinnert an Dan. 3). Nach Sure 21,69 konnte das Feuer auf Allahs Befehl hin Abraham nicht schaden. Die List der Götzendiener nützte ihnen nichts, vielmehr schadete Allah ihnen (21,70; so auch 37,98). Allah rettete Abraham (und Lot, der hier unvermittelt auftaucht) „in das Land, das wir für die Menschen in aller Welt gesegnet haben“ (21,71). Es ist unklar, ob Mohammed unter diesem „gesegneten Land“ das biblische Land Kanaan oder Mekka als Stadt der Kaaba verstand. Solche vagen Aussagen können darauf hindeuten, dass sich der Verkünder des Korans gegenüber seinen Kritikern keine Blöße im Blick auf seine mangelhaften Kenntnisse geben wollte. Das Thema der Auseinandersetzung mit dem Götzendienst erscheint im Koran in vielen Variationen. Nach 26,75-77 stellte Abraham „seine Leute“ im Blick auf die Götzen zur Rede, die „ihm feind“ sind. Nach 29,25 sagte er zu den Götzendienern, dass sie jetzt untereinander Freunde sind, sich am Tag der Auferstehung aber streiten und verfluchen werden. Sie kommen in die Hölle, wo ihnen niemand hilft. Nach 9,114 war Abrahams Vater ein Feind Allahs. Abraham hätte Allah deshalb nicht um Vergebung für seinen Vater bitten dürfen, was er nach 19,47 angekündigt hatte und nach 26,86 auch tat, weil jener irrte (vgl. auch 14,41). Die unterschiedlichen Aussagen des Korans zur Fürbitte für irrende Angehörige sind auffällig. Abraham selbst hielt sich vom Götzen­dienst fern, betete allein zu Allah und vertraute auf seinen Beistand (19,48). Allah zeigte ihm seine Herrschaft, und Abraham ließ sich überzeugen (6,75). Dies geschah durch eine Beobachtung der Gestirne. Ein vergehender Stern kann nicht Allah sein (6,76; vgl. 37,88-90: Abraham warf einen Blick auf die Sterne und erkannte, dass sie ihn nicht von Krankheit heilen können). Ebenso lehnte Abraham den Mond als seinen Herrn ab, und bat vielmehr Allah um „Rechtleitung“ (6,77). In gleicher Weise verhielt sich Abraham im Blick auf die Sonne (6,78). Er wandte sich vielmehr dem Schöpfer zu und erwies sich damit als „Gottgläubiger“ (Hanîf) und nicht als Heide (6,79). Er bekannte sich vor den Heiden als von Allah „geleitet“ (6,80) und gegen deren Götzendienst, weil Allah ihm Sicherheit gibt (6,81). Nach 2,258 bekannte sich Abraham im Streit mit einem anmaßenden Heiden zu Allah, der lebendig macht, sterben lässt und die Sonne aufgehen lässt. Er bat Allah um einen Beweis dafür, dass er Tote lebendig machen kann. Daraufhin machte Allah vier von Abraham geschlachtete und in Stücken verteilte Vögel wieder lebendig (2,260). Abraham mahnte seine Leute, Allah zu dienen (29,16), weil Götzendienst Lüge ist und Götzen im Gegensatz zu Allah keinen „Lebensunterhalt“ geben können. Deshalb gebührt Allah der Dank. Schließlich werden alle Menschen zu Allah „zurückgebracht“ und müssen sich vor ihm verantworten (29,17). Hinter all diesen Aussagen ist im Hintergrund jüdische Predigt zu hören. Mohammed passte diese Informationen aber an seine eigene Situation an und machte Abraham zum Gewährsmann für seine eigene Predigt. Wie Mohammed konnte offensichtlich auch Abraham seine Sippe für den Allah-Glauben gewinnen, denn nach 3,33 war die „Sippe Abrahams“ von Allah erwählt worden. Die Verheißung von Nachkommenschaft Etliche Korantexte nehmen vage darauf Bezug, dass Allah dem Abraham Nachkommen ankündigte. Es sind Anspielungen, die fragen lassen, ob Mohammed die Geschichte und ihre Zusammenhänge verstanden hatte. Die „Erzählfetzen“ erscheinen beliebig kombiniert. Inhaltlich wird die Macht Allahs betont. Insofern haben die Texte mahnenden und tröstenden Charakter – für Mohammed wichtige Züge. Nach 11,69 kamen Allahs Abgesandte zu ihm mit „froher Botschaft“ (so auch 29,31) und wurden von ihm bewirtet (so auch 51,26f). 15,51 spricht von einer „Kunde von den Gästen Abrahams“, 51,24 von der „Geschichte von den ehrenvoll aufgenommenen Gästen Abrahams“. Nach 11,70 hatte er Angst vor ihnen (vgl. 15,52; 51,25 u. 28). Sie sagten ihm, dass sie wegen Lot gekommen sind. Nach 51,28 verkündigten sie Abraham „einen klugen Jungen“ (ähnlich 15,53). Als seine Frau lachte, habe Allah ihr den Isaak und den Jakob angekündigt (11,71). Abraham solle keine Angst vor seinen Gästen haben (15,53). Nach 51,29 schrie Abrahams Frau auf und wies auf ihre Unfruchtbarkeit hin. 11,72 berichtet von der Verwunderung angesichts ihres und ihres Mannes Alter (vgl. 15,54). Dem gegenüber betont 11,73, dass Allah nichts Merkwürdiges tut, vielmehr Abraham und die „Leute des Hauses“ (ist die Kaaba in Mekka gemeint?) segnet. Das Angekündigte ist Wahrheit (15,55; vgl. 51.30), weshalb Abraham die Hoffnung nicht aufgeben soll. Nach 19,49 schenkte Allah dem Abra­ham Isaak und Jakob (ähnlich 21,72; 29,27), wobei die beiden eher als Brüder erscheinen. Nach 14,39 lobte Abraham Allah jedoch für das Geschenk von Ismael und Isaak – trotz seines hohen Alters. Denn „mein Herr hört es, wenn man betet.“ Nach 14,40 bat Abraham Allah, dass er und seine Nachkommenschaft beten können (das muslimische Ritualgebet?) und dass Allah das Gebet „annimmt“. Das Gericht über „Lots Leute“ Ähnlich wie im biblischen Bericht (1. Mose 18), steht im Koran die Fürbitte Abrahams für Lot in Verbindung mit der Ankündigung von Nachkommenschaft. Nach 11,74 wich das Erschrecken von Abraham, nachdem er die „frohe Botschaft“ (von der Nachkommenschaft) gehört hatte, und setzte sich nun zugunsten der „Leute von Lot“ ein. Er gab die „Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn“ nicht auf (15,56) und fragte nach dem Anliegen der Gesandten (15,57, ähnlich 51,31). Nach 15,58 waren sie zu einem sündigen Volk gesandt worden (ähnlich 51,32), um das Gericht über „die Einwohner dieser Stadt“ (29,31) anzukündigen. In 51,33ff wird dieses geschildert. Nach 11,75 war Abraham mild, empfindsam und bußfertig, aber seine Fürsprache war dennoch vergeblich (11,76). Nur Lots Familie wurde gerettet (15,59), seine Frau allerdings nicht (15,60; ähnlich 29,32). Abrahams Opfergang 2,124 deutet an, dass Abraham von Allah „auf die Probe gestellt“ wurde. Ausführlicher nimmt der Koran in 37,99-113 umrisshaft auf die Bereitschaft Abrahams Bezug, seinen Sohn zu opfern. Abraham hatte Allah um einen „rechtschaffenen“ Erben gebeten (100). Daraufhin verkündigte Allah ihm die Geburt eines „braven“ Jungen (101). Weder wird die Geburt berichtet noch ein Name des Sohnes genannt. Als er „so weit war“, dass er mit seinem Vater „den Lauf machen“ konnte (manche Ausleger wollen darin den zur Wallfahrt gehörenden Lauf zwischen Al-Safâ und Al-Marwa in Mekka sehen!), eröffnete Abraham seinem Sohn, dass er in einem Traum gesehen habe, dass er ihn „schlachten werde“. Der Sohn soll sich dazu äußern. Dieser fügt sich in den Willen Allahs (102). Die ganze Dramatik der Gefährdung der Verheißung großer Nachkommenschaft spielt im Koran keine Rolle. Abraham selbst nimmt die Spannung heraus, indem er den Sohn über sein Vorhaben aufklärt und ihn fragt, ob er bereit sei. Der Sohn erweist sich als Allah ergebener Muslim. Daraufhin ergab sich auch Abraham in Allahs Willen und setzte zur Schlachtung des Sohnes an (103), doch Allah griff ein und sagte Abraham, dass er durch seine Bereitschaft den Traum bereits wahr gemacht habe und Allah ihm seine Frömmigkeit ver­gelte (104f). Abra­ham hatte die Prüfung bestanden (106), und Allah löste den Sohn „mit einem gewaltigen Schlachtopfer“ aus (107). Deshalb sagte man später „Heil sei über Abraham!“ (108f). Ihm wurde von Allah bestätigt, dass er Muslim ist („gläubiger Diener Allahs“, 111). Abraham hatte die Prüfung bestanden und Allah löste den Sohn „mit einem gewaltigen Schlachtopfer“ aus Es fällt auf, dass in V. 112 ein Nachtrag erfolgt, der auf V. 101 Bezug nimmt und dem Abraham jetzt überraschend „Isaak“ verkündigen lässt, der als ein „rechtschaffener Prophet“ bezeichnet wird. Abraham und Isaak werden gesegnet (113a). Dafür könnte es zwei Erklärungen geben: Entweder nahm Mohammed einen jüdischen Einwand auf und sagte, dass Isaak der zu opfernde Sohn gewesen sei, oder er wollte nachträglich Isaak als den zweiten Sohn Abrahams von dem ersten (Ismael), nicht mit Namen Genannten, abheben. In diesem Sinne wird im Islam gelehrt, dass Ismael der zu opfernde Sohn gewesen sei, und in diesem Sinne erscheint in V. 113b eine kritische Bemerkung über die Juden als den Nachkommen Abrahams und Isaaks, unter denen es fromme und frevelhafte Menschen gibt. Auf jeden Fall dürften die Verse 112f. eine Auseinandersetzung mit jüdischen Gesprächspartnern Mohammeds wider­spiegeln und damit auch ein Licht auf die komplizierte Entstehungsgeschichte der koranischen Texte werfen. Inhaltlich ist entscheidend, dass auch die Verse 37,99 ff Abraham als frommen Muslim darstellen. Abraham als Muslim Viele Koranstellen sagen, dass Abraham sich als Muslim bekannte (z.B. 2,131), der seine Söhne ermahnte, ebenfalls Muslime zu sein (2,132). Bezeichnend ist die Auf­zählung in 26,77ff: Abraham glaubte an den „Herrn der Menschen in aller Welt“ (77), d.h. an Allah, der ihn geschaffen hat und „recht leitet“ (78), ihm zu essen und zu trinken gibt (79), von Krankheit heilt (80) sowie sterben lässt und auferwecken wird (81). Abraham hoffte, dass Allah ihm am Tag der Auferstehung seine Sünden vergeben wird (82), bat Allah um Urteilskraft und Aufnahme unter die Rechtschaffenen (83) und um einen „guten Ruf unter den späteren“ Menschen (84). Er erbat sich von Allah, „Erbe des Gartens der Wonne“ (des Paradieses) zu sein (85), bat um Gnade am Tag der Auferstehung (87) und erkannte, dass am Tag des Gerichtes weder Vermögen noch Söhne etwas nützen (88), sondern nur ein „gesundes Herz“ (89). Nach dem Koran war Abraham ein „einsichtiger Diener“ Allahs (38,45), der die Menschen an die jenseitige „Behausung“ erinnerte (38,46) und deshalb im Jenseits zu „den Auserwählten und Frommen“ gehört (38,47). Denn er distanzierte sich vom Götzendienst seines Vaters (43,26) und bekannte sich zum Schöpfer und dessen Recht­leitung (43,27) sowie zu seiner Allwissenheit (14,38). Sein Bekenntnis zu Allah hatte unter seiner Nachkommenschaft Bestand (43,28). Abraham war ein Vorbild (arab. imâm) als Diener Allahs, leitete die Seinen nach Allahs Befehl, tat gute Werke, verrichtete das (rituelle) Gebet und entrichtete die Armenabgabe (21,73). Nach 60,4 war er ein „schönes Beispiel“ für die Muslime (so auch V. 6), weil er und die Seinen sich vom Götzendienst ihrer Landsleute lossagten. Dadurch kam es allerdings zu „Feindschaft und Hass“ zwischen ihnen „für alle Zeiten“, sofern sie sich nicht bekehren. Abraham bat Allah, nicht zu einer „Versuchung für die Ungläubigen“ zu werden, sondern bat um Vergebung (60,5). Abraham diente Allah in einem Maße, dass Allah als der „Gott Abrahams“ bezeichnet werden konnte (2,133). In Variationen spricht der Koran von „Abrahams Leuten“ und seiner Nachkommenschaft. Er bildete eine vorbildliche Ge­meinschaft (arab. um­­ma), war Allah demütig ergeben, ein Gottgläubiger (arab. hanîf) und kein Götzendiener (16,120, ähnlich 3,67), dankbar für Allahs Wohltaten, von Allah erwählt und auf einen „geraden Weg“ geführt (16,121). Allah gab ihm im Diesseits Gutes (nach 29,27 „Lohn“), und im Jenseits gehört er zu den „Rechtschaffenen“ (16,122; ähnlich 29,27 und 21,72, wo Abraham mit Isaak und Jakob zu den Rechtschaffenen gezählt wird). Nach 14,41 bat Abraham Allah um Vergebung für sich, seine Eltern und die Gläubigen am „Tag der Abrechnung“. Nach 19,58 kamen aus seiner Nachkommenschaft Propheten, die rechtgeleitet und erwählt waren und in Anbetung weinend niederfielen, wenn sie die „Verse des Barmherzigen“ (Allah) hörten. Nach 29,27 machte Allah in der Nachkommenschaft Abrahams „die Prophetie und „die Schrift“ (die Thorah oder auch Psalmen und Evangelium?) heimisch. Mohammed hatte verstanden, dass Abraham zeitlich vor Mose und Jesus einzuordnen war. Deshalb betont der Koran polemisch, dass Abraham weder Jude noch Christ war (2,140). Aus diesem Grunde sei ein Streit über Abraham überflüssig; Thora und Evangelium seien erst nach ihm offenbart worden (3,65). Abraham sei wahrhaftig „Prophet“ gewesen und „in der Schrift“ (welcher?) angekündigt worden (19,41). Der Islam als die „Religion Abrahams“ In der Auseinandersetzung mit Juden und Christen behauptete Mohammed nach Sure 2,135, dass die Glaubensgemeinschaft (arab. milla) Abrahams die wahre Religion sei, weil er ein Gottgläubiger (arab. hanîf) und kein Heide war (ähnlich 3,95; 6,161 und 16,129). Folglich müssen die Araber nicht Juden oder Christen werden, sondern Muslime, die der Glaubensgemeinschaft Abrahams folgen (3,95, so auch 16,123). Denn die Religion Abrahams ist die „bessere Religion (arab. dîn)“ (4,125). Der Islam entstand nicht durch Mohammed, sondern war bereits die dem Abraham „anbefohlene“ Religion (42,13). Nach 22,78 verkündigte Mohammed den Arabern, dass die Religionsgemeinschaft „eures Vaters Abraham“ eine nicht bedrückende Religion sei. Nur Toren würden die milla Abrahams, des von Allah Auserwählten, verschmähen (2,130). In diesem Sinne bekannte sich nach 12,38 Joseph zur Religion seiner Väter Abraham, Isaak und Jakob, weil die Absage an den Götzendienst (Allah „nichts beigesellen“) Huld von Allah ist. Abraham als Offenbarungsempfänger und „Schriftprophet“ Abraham hatte einen „höheren Rang“ als seine Zeitgenossen (6,83). In verschiedenen Zusammenhängen sagt der Koran, dass Abraham ein prophetischer Gesandter für seine Sippe war (9,70) und göttliche Offenbarungen erhielt (2,136; 3,84, 4,163), die als „Blätter von Abraham sogar schriftlich festgehalten wurden (87,19; vgl. 53,36f: „Texte Abrahams“). Nach 4,54 erhielt die „Sippe Abrahams“ „Schrift und Weisheit“ von Allah. Er war Gesandter und machte „die Schrift“ in seiner Nachkommenschaft heimisch (57,26). Genau wie später Mohammed sollte Abraham als Gesandter Allahs nur die göttliche Botschaft ausrichten, auch wenn sie von den Zeitgenossen „für Lüge erklärt“ wurde (29,18); denn Allah nahm auch von dem Propheten Abraham „eine feste Verpflichtung“ entgegen (33,7). Nach 12,6 vollendete Allah seine Gnade an Abraham. In 2,124 wird er sogar als „Imam“ (Vorbild, Vorbeter) für die Menschen bezeichnet, jedoch – und das ist auffällig – bezog sich nach der gleichen Stelle der Bund Allahs mit Abraham nicht unbedingt auf seine Nachkommen. Das könnte eine kritische Bemerkung an die Adresse der Juden sein. Abraham in Mekka Nach dem Koran war Abraham der Begründer des Allah-Kults an der Kaaba in Mekka Nach dem Koran war Abraham der Begründer des Allah-Kultus an der Kaaba in Mekka. Eine Zusammenfassung findet sich in der späten Sure 2. Nach V. 125 war „das Haus“ (d.h. die Kaaba) eine Stätte der Einkehr für die Menschen, ein Ort der Sicherheit und als Gebets­stätte ein „Platz Abrahams“ – ein Haus, das Abraham und Ismael(!) für die Wallfahrer reinigen sollten. Abraham bat Allah um Segen für die Muslime Mekkas (V. 126), nachdem Abraham und Ismael „die Mauern des Hauses“ errichtet hatten (V. 127). Abraham bat Allah, dass er und Ismael sowie ihre Nachkommen als gute Muslime leben und ihnen ihre „Riten“ (Wallfahrt, Fasten, rituelles Gebet) gezeigt werden (V. 128). Nach V. 129 bat Abraham Allah sogar um einen „Gesandten aus ihren eigenen Reihen“, womit wahrscheinlich Mohammed gemeint ist. Damit verknüpfte Mohammed Abraham mit sich selbst. Bereits frühere Texte zeigen Abraham als Beter an der Kaaba. Er bat Allah, er möge Mekka sicher machen und ihn sowie seine Söhne vor dem Götzendienst bewahren (14,35). Der folgende Vers (14,36) richtet sich polemisch gegen die Irreleitung durch die Götzen Mekkas. Wer dagegen Abraham folgt, gehört zu ihm. Vers 14,37 sagt, dass Nachfahren von Abraham im unfruchtbaren Tal (Mekka) bei „deinem geheiligten Haus“ (der Kaaba) siedelten und Allah um Gunst bei den Einwohnern und um Früchte baten. Nach 22,26f wies Allah Abraham „die Stätte des Hauses als Wohnung“ an, warnte ihn vor dem Götzendienst und ermahnte ihn, das Haus für die Wallfahrer und Beter zu reinigen und die Menschen zur Wallfahrt aufzurufen. Zusammenfassung Durch Mohammed und den Koran wird Abraham gewissermaßen „den Juden weggenommen“ und den Muslimen als ihr großer Ahnherr zugeeignet, denn nach Sure 3,68 stehen die Muslime und Mohammed Abraham am nächsten. Im Grunde deutete Mohammed damit die ganze göttliche Heilsgeschichte, wie sie die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes bezeugt, in seinem Sinne um, indem er sich selbst zum Zielpunkt dieser Heilsgeschichte machte. Darin sehe ich das eigentlich Dämonische hinter Mohammed und dem Koran. Leider scheinen viele Christen im Westen diese Täuschung nicht zu erkennen bzw. um der religiösen Harmonie willen zu verdrängen. Das führt uns zu der nächsten Frage.